Ich will keine Kinder (mehr)

Wer hätte das gedacht: Eine abgeschlossene Familienplanung eint die Menschen mit Uterus, die sich für eine Sterilisation entschieden haben. So einfach das auch klingen mag: Ganz so einfach sind die Gründe für diese Entscheidung häufig eben doch nicht. Wir haben unsere Community auf Social Media gefragt, wieso sie sich für eine Sterilisation entschieden haben.

Schwangerschaft – nein danke

Die beiden häufigsten Gründe: Die Sterilisation ist die sicherste Verhütungsmethode für Menschen mit Uterus und hat gleichzeitig keine Nebenwirkungen, insofern bei der Operation nicht mächtig was schiefgelaufen ist. Klar, nur Enthaltsamkeit bietet 100%igen Schutz vor einer Schwangerschaft – aber laut Pearl-Index (typical use, der Anwendungsfehler miteinbezieht) ist diese Verhütungsmethode ungeschlagen und langfristig gesehen auch günstiger als Alternativen. Insofern man sich nicht gerade mit 50 Jahren für die OP entscheidet.

 

Daran schließt sich an, dass viele der Befragten keine (erneute) Schwangerschaft erleben möchten wegen der möglichen körperlichen und psychischen Belastung. Schönreden funktioniert nicht mehr, wenn alle Infos dazu nur einen Mausklick entfernt sind. Mitunter liegt sogar eine Tokophobie vor, eine Angst vor Schwangerschaften, die die Lebensqualität erheblich beinträchtigen kann. Für nichtbinäre Menschen und trans Männer kann es eine enorme Last sein, schwanger werden zu können. Nicht nur für davon Betroffene bedeutet die Sterilisation eine Erleichterung: Nach der OP berichten viele von einem sorgloseren Alltag und einem entspannteren Sexleben.

Rücksicht auf Körper und Umwelt

Eine Schwangerschaft kann bei bestimmten chronischen Erkrankungen das Leben der schwangeren Person massiv gefährden. Dieses Risiko wollen Betroffene gar nicht erst eingehen. Andere verzichten aufgrund von psychischen Erkrankungen darauf, Eltern zu werden. Teilweise wird einem potenziell aufkeimenden Kinderwunsch mit einer Sterilisation sogar der Riegel vorgeschoben.

 

Zu den vielen persönlichen Faktoren kommen gesellschaftliche Faktoren: Überbevölkerung, Ressourcenknappheit, die Politik und die Klimakrise sind reale Herausforderungen unserer Welt. Immer mehr Menschen können sich nicht vorstellen, unter diesen Umständen noch ein weiteres Kind in die Welt zu setzen.

Egoismus? Selbstliebe!

Kommen wir zu den Gründen, die böse Zungen "selbstsüchtig" schimpfen: Kinder sind teuer und es gibt nun mal Menschen, die nicht einen Großteil ihres Gehalts für Windeln, Schulbücher und Klassenfahrten ausgeben möchten. Statt einige Jahrzehnte des eigenen Lebens auf den Nachwuchs zu konzentrieren, möchten sie ihre Zeit lieber für ihre persönliche Entwicklung, eigene Hobbys und Reisen nutzen. Verantwortung für eigene Kinder möchten sie nicht tragen – und trotzdem kümmern sich kinderfreie Menschen als Onkel und Tanten hingebungsvoll um die Kinder in der erweiterten Familie und im Freundeskreis.

 

Und ja: Manche kinderfreie Menschen mögen auch schlichtweg keine Kinder oder wissen, dass sie schlechte Eltern wären, und entscheiden sich deshalb für ein kinderfreies Leben. Auch das ist eine valide Entscheidung, mit der sie Verantwortung übernehmen. Und nur weil man die Fähigkeit dazu hat, sich fortzupflanzen, gibt es nicht automatisch den Drang, Eltern werden zu wollen. Keine Uhr, die tickt. 

 

Meistens gibt es nicht "den einen Grund", weswegen Menschen mit Uterus sich für eine Sterilisation entscheiden. Aber jeder einzelne Grund ist gut genug für die Entscheidung.

Zuletzt: ein paar Zitate aus unserer Umfrage …

  • Ich möchte nicht trotz Verhütung jeden Monat extreme Panik bekommen, sollte sich die Blutung auch nur um einen halben Tag verspäten.
  • Ich habe ungeplant ein Kind bekommen. Dieses Kind ist super und ich liebe es unglaublich, kann mir aber kein weiteres vorstellen.
  • Die Betreuung eines kleinen Lebewesens könnte ich nicht adäquat erfüllen und möchte auch meine Erkrankung nicht vererben.
  • Seit der Sterilisation bin ich gelöst, ein mega Druck ist von mir abgefallen – eine der besten Entscheidungen!
  • Ich habe als Kind nie mit Puppen gespielt – das Konzept der Mutterschaft ist nicht in mir einprogrammiert.
  • Ich kriege Fluchtreflexe. Ich überlasse das Kinderkriegen denen, die es wirklich von ganzem Herzen möchten.

Dieser Blogpost ist eine Zusammenfassung des Vortrags unseres dritten virtuellen Stammtischs mit dem Thema Gründe für eine SterilisationDie PDF-Datei zum Vortrag kann hier heruntergeladen werden.

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