Wieso muss ich mich eigentlich rechtfertigen?

Ich bin Emma, Jahrgang 91, und möchte keine Kinder.

 

Und nun frage ich mich, wieso dieser Satz nicht so stehen bleiben kann, sondern ich mich für diese Entscheidung rechtfertigen muss. Würde es auch nur einer einzigen Person einfallen, meine Entscheidung infrage zu stellen, hätte ich gesagt, dass ich stark auf die 30 zugehe und am liebsten schon längst Kinder hätte?

 

Ich wusste schon sehr früh, dass ich niemals Kinder möchte, und diese Entscheidung war für mich immer völlig normal. So wie andere damals schon wussten, dass sie irgendwann drei Kinder, heiraten und ein Haus wollen, wusste ich, dass ich in anderen Dingen Erfüllung finde. 

 

Ich könnte hier nun detailliert darauf eingehen, dass Kinder Geld kosten und einschränken, dass ich keinen Bedarf daran habe, mich mit anderen Eltern und Lehrern herumschlagen zu müssen, dass es bereits genug Menschen auf der Erde gibt und es unverantwortlich wäre, ein Kind in diese Welt zu setzen.

 

Aber im Vordergrund steht für mich bei diesem Thema, dass ich selbstbestimmt über meinen Körper und mein Leben entscheiden möchte. Ich habe nur diesen einen Körper und dieses eine Leben, und sollte dann nicht ich die Verantwortung darüber tragen dürfen?

 

Wieso hat unsere Gesellschaft immer noch ein so festgefahrenes Bild der Daseinsberechtigung einer Frau? Wieso gibt es in den Köpfen der meisten Menschen immer noch nur einen "richtigen" Weg, den jede Frau früher oder später beschreiten muss?

 

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich meine eigenen Entscheidungen noch nie bereut habe, auch wenn ich vielleicht nicht alle exakt so wieder treffen würde. Ich bereue aber so einige Entscheidungen, die mir von anderen Menschen aufgedrängt wurden und hinter denen ich eigentlich nie wirklich stand. Daher weiß ich auch, dass ich es niemals bereuen werde, keine Kinder in diese Welt gesetzt zu haben, da es meine eigene, wohlüberlegte Entscheidung ist.

 

Es macht mich müde, mich immer wieder erklären zu müssen, es macht mich traurig, von anderen Menschen nicht ernst genommen zu werden, selbst wenn diese Menschen jünger oder im gleichen Alter sind, und es macht mich wütend, dass andere Menschen denken, sie würden mich besser kennen als ich mich selbst.

 

Aus all diesen Gründen hat es mir nicht mehr gereicht, "nur" zu verhüten. Ich wollte steril sein und mit diesem Kapitel endgültig abschließen, nicht mehr zurück können, frei sein.

 

Dank unserer Arbeit hier bei Selbstbestimmt steril habe ich direkt beim ersten Anlauf einen Arzt gefunden, der mich nicht nach meinem Partner fragte oder mir das Gefühl gab, ich wäre noch zu jung oder hätte es mir nicht reichlich überlegt und würde meine Meinung ja sowieso noch ändern. Er wollte nur sicherstellen, dass ich mir über die Endgültigkeit dieser Entscheidung bewusst bin. Das gesamte Team hat mir zu keinem Zeitpunkt ein negatives Gefühl vermittelt, ganz im Gegenteil. Alle waren sehr freundlich und aufgeschlossen, so dass sich meine Nervosität vor meiner ersten Operation sehr schnell wieder legte.

 

Bauch einer Frau nach der laparoskopischen Sterilisation. Man sieht zwei Schnitte, die mit blauem Faden vernäht sind.
1 Tag nach der OP - 2 Schnitte

Da mein Arzt im Bauchraum noch eine kleine Verwachsung fand, die über die Krankenkasse abgerechnet werden konnte, wurde die Operation noch einmal um 40 % günstiger. Eine Krankmeldung wurde mir auch ausgestellt, sodass ich mich gut erholen konnte. Zu den wohl üblichen muskelkaterähnlichen Schmerzen in Nacken und Rücken kamen noch Schmerzen im Unterleib, die ich mit starken Regelschmerzen vergleichen würde. Zudem zwickten die Fäden der zwei Einschnitte bis zur Entfernung nach 10 Tagen sehr. Ansonsten war der Heilungsprozess allerdings sehr unkompliziert und die Entscheidung für die Sterilisation fühlt sich nach wie vor richtig an.

 

 

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@myterus

Lachender Uterus mit verknoteten Eileitern