Fragen und Antworten

Was du über die Sterilisation von Personen mit Uterus wissen möchtest (oder solltest)

 Rechtlicher Hinweis:

Diese Fragen und Antworten ersetzen nicht die Beratung durch eine*n qualifizierte*n Gynäkolog*in.

Was passiert bei einer Sterilisation?

Grob gesagt werden die Eileiter undurchlässig gemacht (wie das geht: siehe Methoden). Bei der Sterilisation wird jedoch nicht der Uterus entfernt – diesen Eingriff nennt man "Hysterektomie" – und auch die Eierstöcke bleiben unberührt, da ansonsten aufgrund mangelnder Hormonproduktion direkt die Wechseljahre beginnen würden.

Habe ich nach einer Sterilisation immer noch meine Regel?

Ja. Da nur die Eileiter undurchlässig gemacht werden, der Uterus aber intakt bleibt und die Hormonproduktion ebenfalls nicht beeinflusst ist, wird die Schleimhaut (das sog. Endometrium) auch weiterhin zyklusbedingt aufgebaut und abgestoßen. Wenn du aber bis zur Sterilisation mit Verhütungsmitteln verhütet hast, die die Blutung beeinflussen, z. B. Pille, Kupferkette, Implantat o. Ä., kann sich die Stärke, Dauer und Zykluslänge deiner Blutung nach der Sterilisation noch ändern.

Welche Methoden werden in Deutschland durchgeführt?

Prinzipiell hängt die verwendete Methode von den Ärzt*innen ab, die den Eingriff vornehmen. Wir nennen an dieser Stelle kurz die wichtigsten "Zugriffsmethoden" und im Anschluss die Verschlussmethoden (QuelleQuelle):

  • Laparoskopie (Bauchspiegelung): Die am häufigsten angewendete Methode. Dabei werden ein oder mehrere kleine Schnitte von ca. 0,5 bis 1,5 cm Länge in die Bauchdecke gemacht (meist am Nabel und an der Leiste), durch die ein Führungsrohr gesetzt wird. Anschließend wird Kohlensäuregas in den Bauchraum geleitet, damit sich die Bauchdecke hebt und der*die Gynäkolog*in freie Sicht hat. Danach werden eine Kamera mit Licht und die nötigen Instrumente eingeführt und die Sterilisation wird durchgeführt.
  • Bauchschnitt: Wird durchgeführt, wenn eine Laparoskopie aufgrund von Verwachsungen im Bauchraum oder Übergewicht nicht durchgeführt werden kann. Dabei wird meist in der Bikinizone ein längerer Schnitt gesetzt und anschließend die Sterilisation durchgeführt.
  • Nach einem Kaiserschnitt: Im Grunde wie der Eingriff per Bauchschnitt, aber im Anschluss an einen Kaiserschnitt. Der Vorteil ist hier, dass der Schnitt bereits gemacht wurde und i. d. R. keine weitere Narkose nötig ist.

Die Sterilisation kann auf verschiedene Weisen erfolgen, die kombiniert werden können:

  • Durchtrennen: Die Eileiter werden durchtrennt und zur Sicherheit häufig teilweise oder komplett entfernt. 
  • Koagulation (Verklebung): Die Eileiter werden mit Hitze, Laser oder elektrischem Strom verschlossen.
  • Clips (selten): Die Eileiter werden zusammengepresst und mechanisch mit einem Clip verschlossen.
  • Abbinden (selten): Die Eileiter werden mithilfe von Silikon-Gummibändern abgebunden.

Falls du wissen möchtest, wie ein durchtrennter Eileiter aussieht – und damit meinen wir ein Foto aus dem Bauchraum! –, dann klick hier.

 

Der Vollständigkeit halber erwähnen wir hier auch eine Methode ohne Schnitt durch die Bauchdecke, die seit 2017 nicht mehr in Deutschland zum Einsatz kommt: Bei der Essure-Methode per Hysteroskopie wird durch die Scheide und den Uterus eine Mikrospirale aus Polyesterfasern, Nickel-Titan und Edelstahl in jeden Eileiter eingesetzt. Nach der OP wächst körpereigenes Gewebe in die Mikrospiralen hinein und verschließt so die Eileiter. Anders als bei den anderen Verschlussmethoden ist die Sterilität daher erst nach ca. 3 Monaten gegeben und muss durch eine spezielle Röntgenuntersuchung bestätigt werden. Nachdem bei dieser Methode allerdings vermehrt Komplikationen wie verletzte Organe, Allergien und Haarausfall bekannt wurden, nahm der Hersteller  Bayer das Produkt 2017 in Europa und 2018 auch in den USA vom Markt (QuelleQuelle).

Welche Risiken gibt es bei einer Sterilisation?

Eine Sterilisation ist ein Routineeingriff und  verläuft in den allermeisten Fällen komplikationsfrei, birgt aber wie jede andere OP die unten beschriebenen Risiken, auf die wir hinweisen müssen. Die klingen insgesamt sicher erstmal einschüchternd, treten bei der Behandlung durch ein erfahrenes Team allerdings nur sehr selten auf.

 

Es kann bei Operationen im Bauchraum prinzipiell zu Blutungen, Verletzungen von Blutgefäßen oder inneren Organen, Störungen bei der Wundheilung und Entzündungen kommen. Außerdem gibt es Narkoserisiken, z. B. Herz-Kreislauf-Störungen oder Verletzungen durch den Beatmungsschlauch und ein erhöhtes Thromboserisiko, insbesondere bei Eingriffen direkt nach einer Geburt (wobei das Thromboserisiko in den ersten 6 Wochen nach einer Geburt prinzipiell erhöht ist). Bei der Koagulation der Eileiter können die Blutgefäße des umliegenden Gewebes verletzt werden, was die Durchblutung der Eierstöcke verschlechtern und in seltenen Fällen ihre Funktion und damit auch die Hormonproduktion beeinträchtigen kann. Die Folgen können Stimmungsschwankungen, sexuelle Lustlosigkeit, Hitzewallungen und Schlafstörungen sein. Kommt es aufgrund einer nicht ordentlich durchgeführten Sterilisation oder Rekanalisation zur Befruchtung einer Eizelle, kann sich eine Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft entwickeln, was zu ernsthaften Komplikationen führen kann. 

 

Zuletzt spielen auch psychologische Komponenten eine Rolle: Manche Personen empfinden die Sterilisation als Befreiung und erfahren eine gesteigerte Libido, während andere erst nach dem Eingriff merken, dass sie eigentlich nicht dafür bereit waren. Um dies zu verhindern, sollte man sich im Voraus eingehend mit dem Thema beschäftigen, mit bereits sterilisierten Personen sprechen und sich natürlich von dem*der behandelnden Gynäkolog*in ausgiebig beraten lassen. (Quelle)

Habe ich während oder nach der OP Schmerzen?

Bei der OP wirst du bis auf den Piekser der Kanüle, durch die du die Narkose erhältst, keine Schmerzen haben und auch nach der OP halten sich die Schmerzen normalerweise in Grenzen. Nach dem Eingriff kann es zunächst ein wenig am Bauch zwicken und durch das Kohlensäuregas der Laparoskopie, das am Zwerchfell quasi "nach oben drückt", können sich deine Schultern ein paar Tage lang verspannt anfühlen.

 

Das Schmerzempfinden ist je nach Person unterschiedlich, darum sind diese Aussagen nicht allgemeingültig – starke oder lang anhaltende Schmerzen hatte bei "uns" aber bisher niemand! 

Wie lange muss ich nach der OP im Krankenhaus bleiben?

Nach einem Eingriff per Bauchschnitt oder bei einem Kaiserschnitt wirst du ein paar Tage im Krankenhaus verbringen. Ein Eingriff per Laparoskopie wird in der Regel ambulant vorgenommen und du kannst nach ein paar Stunden im Aufwachraum direkt nach Hause. Da die Narkose noch nachwirken kann, musst du dich auf jeden Fall abholen lassen (Familienmitglied, Freund*in, Taxi) und darfst auch in den ersten 24 Stunden nach der Narkose nicht alleine bleiben. Ein oder zwei Wochen nach der OP wirst du zudem einen Termin mit deinem*r Gynäkolog*in haben, bei dem die Abheilung der Schnitte kontrolliert und ggf. die Fäden gezogen werden.

Werde ich nach der Sterilisation krankgeschrieben?

Ob du eine Krankschreibung erhältst, liegt im ärztlichen Ermessen und ist nicht garantiert. Ob und wie lange du krankgeschrieben wirst, solltest du daher vor dem Eingriff klären, damit du bei Bedarf Urlaub beantragen kannst. 

Worauf muss ich nach der OP achten?

Dein*e Gynäkolog*in wird dir sicher einen Zettel mit Hinweisen zum Verhalten nach der OP mitgeben. Generell gilt: Schone dich erstmal! Schwimmen und Baden sind tabu, solange die Wunden sich noch nicht verschlossen haben, Duschen ist nach ein paar Tagen aber wieder erlaubt. Du solltest in den 2-3 Wochen nach dem Eingriff maximal bis 5 kg heben und keinen Sport machen bzw. keine schweren körperlichen Arbeiten verrichten, bei denen deine Bauchmuskulatur angespannt wird. Sex ist in der ersten Zeit nach der OP ebenfalls nicht erlaubt, aber sobald du dich wieder einigermaßen fit fühlst, kannst du loslegen. (Trotzdem gilt auch da: Bauchmuskeln zunächst nicht zu sehr belasten!) (Quelle)

Wie pflege ich die Wunden bzw. Narben – und sind sie sehr groß?

Auch zur Narbenpflege wirst du sicher genauere Informationen von deinem*r Gynäkolog*in erhalten. Grundsätzlich solltest du die Wunden in den ersten Tagen nicht mit ungewaschenen Händen berühren und bei Bedarf nur vorsichtig mit klarem, maximal lauwarmem Wasser abspülen. Anschließend werden sie mit einem sauberen Tuch abgetupft. Ab Tag nach der OP sind die Hautwunden normalerweise bereits "wasserdicht" und müssen nicht mehr abgeklebt werden. Ein Pflaster kann trotzdem von Vorteil sein, um nicht mit dem Faden an Kleidungsstücken o. Ä. hängen zu bleiben. Nach ca. ein bis zwei Wochen sind die Narben dann stabil verheilt. (Quelle)

 

Wenn bei der OP keine selbst auflösenden Fäden verwendet wurden, musst du zum Fädenziehen nochmal zu deinem*r behandelnden Gynäkolog*in. Danach kannst du die Narben auch regelmäßig mit Öl massieren, damit sie nicht wulstig werden. In den ersten ein bis zwei Jahren nach der OP solltest du sie beim Sonnen, Tragen bauchfreier Kleidung etc. außerdem immer mit Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor eincremen. So kannst du einer Schädigung und unerwünschten Verfärbung des Narbengewebes vorbeugen. (Quelle)

 

Die Narben, die nach einem laparoskopischen Eingriff zurückbleiben, verheilen bei richtiger Nachsorge i. d. R. sehr gut und sind spätestens ein Jahr nach dem Eingriff nur noch minimal erkennbar. Wie das aussieht, kannst du am Bild von Rebeccas Erfahrungsbericht und in diesem Instagram-Post sehen.

Muss ich die Sterilisation selbst bezahlen und wenn ja, wie viel kostet das?

Die Kosten für eine Sterilisation werden von der Krankenkasse normalerweise nur übernommen, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht. Genauere Informationen erhältst du im Zweifelsfall bei deiner Krankenkasse. In allen anderen Fällen musst du den Eingriff aus eigener Tasche bezahlen. Aus unseren Erfahrungen können wir sagen, dass du bei einer Laparoskopie mit ca. 800 € rechnen kannst, aber je nach Art des Eingriffs und anderen Faktoren können die Kosten schwanken. 

Was passiert nach der Sterilisation mit meinem Körper?

Du wirst weiterhin deine Regel bekommen, diese kann sich aber abhängig von der vorher verwendeten Verhütung (Pille, Kupferkette, Implantat etc.) in Stärke, Dauer und Zykluslänge verändern. Es ist auch möglich, dass du dich aufgrund der "Befreiung" allgemein positiver gestimmt fühlst und deine Libido steigt. Genauso sind auch negative Emotionen möglich, falls du die Sterilisation später doch bereust, was wir dir natürlich nicht wünschen! Darum hier nochmal der Hinweis: Dieser Eingriff muss wohlüberlegt sein.

 

Es ist medizinisch nicht hinreichend geklärt, ob und wie eine Sterilisation zum früheren Einsetzen der Wechseljahre führen kann. Ein häufig genannter Grund ist zwar, dass beim Eingriff Blutgefäße verletzt werden können, die die Eierstöcke versorgen und sie dadurch eher als bei einer nicht sterilisierten Person nicht mehr ausreichend durchblutet werden (Quelle). Dies kann letztendlich jedoch nur schwer bewiesen werden, da man nicht mehr herausfinden kann, wann die Wechseljahre ohne Sterilisation begonnen hätten.

 

Weitere mögliche Veränderungen findest du bei den Risiken einer Sterilisation.

Kann ich nach der Sterilisation wirklich nicht mehr schwanger werden?

Wir würden gern einfach "Ja" sagen, aber wie immer gilt: Nur Enthaltsamkeit kann wirklich garantieren, dass man nicht schwanger wird. Laut Pro Familia liegt der Pearl-Index bei der Sterilisation von Personen mit Uterus bei 0,2‑0,3 (zum Vergleich: keine Verhütung = 85, Kondom = 2‑12, Pille = 0,1‑0,9). Dass der Wert nicht noch niedriger ist, liegt allerdings auch daran, dass alle Methoden in die Statistik eingehen und z. B. die Sterilisation per Clip-Verfahren nicht ganz so sicher wie andere Methoden ist. Zudem besteht vor allem bei jung sterilisierten Personen auch nach Jahren noch die geringe Möglichkeit einer sogenannten Rekanalisation. Dabei bildet sich zwischen Uterus und Eierstock unbemerkt eine neue Verbindung, die eine Schwangerschaft ermöglichen kann. Werden die Eileiter allerdings komplett entfernt, ist die Wahrscheinlichkeit einer Rekanalisation und somit Schwangerschaft verschwindend gering (engl. Quelle).

 

Um ganz sicher zu gehen, sollte man die eigene Regel also trotzdem weiterhin beobachten, z. B. durch Verwendung einer Menstruations-App und bei Zweifeln einen Schwangerschaftstest machen.

Kann man eine Sterilisation rückgängig machen?

Man kann! Die Chancen auf eine anschließende Schwangerschaft liegen je nach Ausgangssituation bei immerhin 30 bis 70 %. Wie schnell und ob eine Schwangerschaft eintritt, hängt vom eigenen Alter und sowohl von der eigenen Fruchtbarkeit als auch der des Partners ab. Die Kosten dafür liegen bei unter 1000 € (mittels Bauchspiegelung) oder 2000 € bis 4500 €. (Quelle -> Refertilisierung der Frau)

Was passiert, wenn ich nach der Sterilisation doch einen Kinderwunsch entwickle?

Wenn du tatsächlich doch noch (weitere) Kinder bekommen möchtest, hast du mehrere Möglichkeiten: die oben erwähnte Refertilisierung, eine In-vitro-Fertilisierung, ein Kind adoptieren, ein Pflegekind aufnehmen ... eine Sterilisation muss also keine Sackgasse sein! Trotz allem solltest du dich nicht auf diese Optionen verlassen, wenn du zurzeit über eine Sterilisation nachdenkst. All diese Möglichkeiten sind mit (teils sehr hohen) Kosten und vor allem großem Aufwand verbunden und wollen gut überlegt sein – genau wie eine Sterilisation.

Quellen


selbstbestimmt-steril(ät)posteo.de
Selbstbestimmt steril
selbstbestimmt_steril

@myterus

Lachender Uterus mit verknoteten Eileitern