Ich bin mit meinem Unterleib echt durch.

Eigentlich wollte ich immer Kinder haben. Meine Idealvorstellung war immer Mann, Haus, Kinder, Hund. Die typische Kleinstadtfamilie irgendwie. Das war schon so, seit ich denken konnte. Schließlich bin ich auch genauso aufgewachsen.

 

Als ich dann mit 11 meine Periode bekam, hoffte ich, dass das ganze schnellstmöglich wieder aufhört. Ich habe mich schon immer damit herumgequält, hatte starke Schmerzen, wurde eigentlich nie ernst genommen. Das sei "normal". Schmerzen gehören halt dazu. Ich quälte mich also so durch. So wie jedes Mädchen halt. Normal, dachte ich.

 

Mit 16 startete ich dann damit, die Pille zu nehmen. Ich nehme also mittlerweile seit 10 Jahren quasi jeden Tag Hormone zu mir. Ich habe in der ganzen Zeit nie damit aufgehört, die Pille zu nehmen. Ob ich Nebenwirkungen habe, kann ich gar nicht genau sagen. Ich weiß ja gar nicht, wie es ohne ist. 

 

Nachdenkliche Frau im Auto

Anfangs nahm ich oft mehrere Blister einfach durch. Merkte ja niemand und ich bekam meine Tage nicht. Fand ich clever. Dass das bei manchen Pillen aber eher ein ziemliches Risiko ist, da sie dafür schlicht nicht geeignet sind (Stichwort: Zweiphasenpille), erfuhr ich erst Jahre später. 

 

Im August 2016 eröffnete mir meine Frauenärztin dann: "Ich glaube, Sie haben Endometriose." Die Erklärung für all meine Probleme, von der ich vorher noch nie etwas gehört hatte. Sie verschrieb mir also eine neue Pille, die zum "Durchnehmen" gut geeignet ist, und das tue ich nun seit 2,5 Jahren, damit meine Schmerzen im Rahmen bleiben und ich nicht eine von vier Wochen im Monat krankgeschrieben werden muss. 

 

Mein Leben veränderte sich durch diesen einen Arztbesuch allerdings noch deutlich stärker. Der nächste Schock war eine faustgroße Zyste, die mir später noch nach dem Leben trachten wollte, und gemeinsam mit den Endometriose-Herden in einer Not-OP entfernt wurden. Aber damit war es immer noch nicht vorbei, denn ein paar Wochen später kam dann ein neuer Anruf: "Ihr Pap-Abstrich ist auffällig."

 

Es folgten viele weitere Untersuchungen, erneute Abstriche, Knipsbiopsien, weitere Ultraschalls, Essigproben, etc. Letztlich die Diagnose: Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs. Operation (Ausschabung und Konisation) folgte. Seitdem werde ich engmaschig beobachtet. Mit momentan 26 Jahren. 

 

Die Entfernung meiner Endometriose-Herde hielt ganze 6-9 Monate, dann waren die Schmerzen wieder da. Meine Zysten entwickeln sich immer wieder. Mein Gebärmutterhalskrebs ist momentan zwar "weg", aber ich bin nach wie vor HPV High Risk positiv. Er kann also jederzeit zurückkehren.

 

Ich bin mit meinem Unterleib echt durch. 

 

Durch die verschiedenen Diagnosen, besonders durch die Krebsvorstufe, krempelte ich mein Leben um. Ich überdachte viele Bereiche meines Lebens, meine Denkweisen, meine Meinungen. Ich reflektierte mich selbst und kam zu der Erkenntnis, dass ich EIGENE Kinder eigentlich überhaupt nicht haben möchte. Die Erleichterung, die ich verspürte, als ich diese Entscheidung das erste Mal laut aussprach (gegenüber meiner Mutter), war riesig.

 

Verschränkte Arme mit Narbe

Ich mag Kinder (meistens) und bin eine tolle Patentante, aber eigene Kinder kann ich mir einfach nicht vorstellen. Umso älter ich werde, desto mehr verhärtet sich dieser Gedanke. Ich möchte die Verantwortung nicht tragen, und eigentlich möchte ich in die heutige Welt auch kein Kind setzen. (Viele andere Gründe, die ich ebenfalls aufzählen würde, findet ihr im Erfahrungsbericht von Rebecca).

 

Aufgrund dieser Entscheidung erwäge ich nun seit ca. 2 Jahren eine Sterilisation. Wegen meiner verschiedenen Erkrankungen und der ständigen Angst, wieder und wieder operiert werden zu müssen, ist für mich allerdings auch eine Hysterektomie (= Gebärmutterentfernung) denkbar, da diese meine Symptome lindern könnte. Die Chance, einen Arzt zu finden, der eine solche Operation durchführt, ist allerdings ähnlich schwierig wie für eine Sterilisation.

 

Das Interesse für das Thema existiert schon mehrere Jahre und deutlich länger als mein Entschluss, diese Operation auch an mir durchführen zu lassen. Ich bin Teil dieses Projektes geworden, weil ich – auch aus feministischen Gründen – dafür einstehen möchte, dass Frauen in dieser Hinsicht genau wie Männer über ihren Körper selbst entscheiden können, und sich dahingehend frei informieren können, ohne negativ beeinflusst zu werden.

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Selbstbestimmt steril
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@myterus

Lachender Uterus mit verknoteten Eileitern
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